...du bist krank im Kopf, manchmal....

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Mit schnellem Schritt eilte Tom durch die ruhigen Fluren, nur hin und wieder kam ihm ein Student entgegen. Dafür das es erst Anfang April war schwitzte er sich, obwohl er nur ein Shirt trug, fast zu tode. Vielleicht lag es auch an dem Stapel Papiere die er auf seinen Armen balancierte. Die korrigierten Arbeiten des zweiten Semesters, die Quellennachweise die Professor Jannkes verlangte und eine Zusammenfassung über den Stoff an dem Professor Manik gerade gearbeitet hatte. Endlich hatte er das Büro seines Doktorvaters erreicht. Umständlich kramte er den Schlüssel aus seiner Tasche und schloss die Tür auf. Schnell ordnete er die Papierflut ein damit der Professor nicht durcheinander kam.

Seit Manik den Autounfall hatte wusste Tom nicht mehr wo sein Kopf stand. Dem Professor unterstand der Bereich Metaphysik und nun halste ihm Professor Jannkes immer mehr neue Arbeit auf. Natürlich wusste sein Doktorvater das er sich für diesen Bereich besonders interessierte, so ganz ohne Sinn war sein Physikstudium ja nicht gewesen. Im Moment übernahm Jannke die Vorlesungen die ausfallen würden, der meiste Papierkram blieb an Tom hängen. Gut – dafür war er ja auch da, trotzdem die Zeit fehlte ihm bei seiner Doktorarbeit und Jan maulte auch schon rum das sie kaum noch Zeit miteinander verbrachten.

Noch einmal vergewisserte sich Tom das alles in Ordnung war bevor er das Büro verließ und die Tür wieder ab schloss.

Das sie sich kaum noch sahen lag aber nicht allein an Tom, durch Glück hatte Jan eine Stelle bei einer bekannten Sportzeitung ergattert. Für ihn war ein Traum in Erfüllung gegangen, wobei -Tom hatte nie daran gezweifelt das Jan es schaffen würde, egal was sich sein Freund vornahm er schaffte es. Der Nachteil an der ganzen Sache war das sie sich am Wochenende kaum noch sahen und Tom unter der Woche einfach viel zu erledigt war um groß etwas zu unternehmen.

Diesen Samstag musste Jan zwar auch arbeiten, doch er blieb wenigstens in der Stadt.


Der Hörsaal war noch geschlossen, eigentlich müsste die Vorlesung gleich zu Ende sein. Leise öffnete Tom die Tür, schlüpfte hinein und setzte sich in die letzte Reihe.

„ ...ab nächster Woche werden wir einen Gastdozenten haben, David Fischer aus München, er ist Juniorprofessor im Fachbereich Physik. Kurzfristig ist er für Professor Manik eingesprungen, sie werden also das restliche Semester etwas frischen Wind haben. So und nun wünsche ich ihnen ein schönes Wochenende“, Professor Jannkes schloss sein Buch und schaute noch einmal in die Runde seiner Studenten.

Eilig packten sie ihre Sachen zusammen Tom wartete bis alle gegangen waren.

„Haben sie es eilig oder können wir erst in mein Büro gehen?“, der Professor hatte den Kopf gehoben und schaute Tom an.

„Natürlich habe ich noch Zeit. Die Unterlagen die sie angefordert haben und die korrigierten Arbeiten habe ich schon in ihr Büro gelegt.“

Tom wartete bis der Mann Mitte fünfzig auf seiner Höhe war und folgte ihm dann durch die weitläufigen Fluren.

„Gut, gut, wie weit sind sie mit ihrer Doktorarbeit?“, fragte Toms Doktorvater nach.

Seit zwei Jahren saß Tom an seiner Dissertation, wenn er so weiter machte konnte er in einem Jahr fertig sein.

„Ich liege weit voraus im Zeitplan, was ich ihnen verdanke“, unsicher lächelte Tom den Professor an.

Auch wenn er zur Zeit nicht wusste wie er die ganze Arbeit schaffen sollte, mit der Unterstützung seines Professors konnte er immer rechnen, zumindest wenn es um seine Doktorarbeit ging.

„Ach was, sie machen ihre Sache ganz gut und sind sehr fleißig.“

Der Professor öffnete die Tür seines Büros, der kleine Raum wurde durch decken hohe Bücherregale dominiert

„Also Tom.“

Der ältere Mann legte eine kurze Pause ein und fuhr sich durch seine grauen Haare, während er sich hinter seinen Schreibtisch setzte.

„Sie sind seit Jahren der erfolgversprechendste Doktorand den ich hatte, ihre Arbeiten sind herausragend, sie haben eine schnelle Auffassungsgabe und wegen ihrer Dissertation mache ich mir wenige Gedanken“, lächelnd nickte er milde, so als wollte er seinen eigenen Worten zustimmen.

„Danke Professor.“

„Haben sie sich schon Gedanken gemacht was sie danach machen wollen Tom?“

Ein Thema das zwischen Jan und ihm immer wieder zum Streit führte. So schön es auch war Philosophie zu studieren, im Endeffekt war es eine brotlose Kunst und der sichere Weg zu einem Taxischein. Die meisten seiner Kommilitonen hatten noch naturwissenschaftliche Nebenfächer oder BWL belegt, er war der einzige der ausschließlich Philosophie studierte. Was bedeutete das er sich nach seiner Dissertation an einer Habilitation versuchen würde um dann mit viel Glück an einer Uni eine Stelle bekommen könnte. Natürlich wusste er das es einem Sechser im Lotto glich, genau das war auch das Problem für Jan. Nicht seine angestrebte Doktorarbeit und auch nicht der Versuch danach noch eine Habilitation zu schreiben, nein Jan verstand nicht das er sich all die Mühe machte und es nur eine minimale Chance gab später damit Geld zu verdienen.

Vor allem da Tom noch ein abgeschlossenes Studium sein eigen nannte, eins das er auch mit Bestnote abgeschlossen hatte und mit dem er wesentlich bessere Chancen hatte Arbeit zu finden. Natürlich verstand Jan das er damit nichts mehr zu tun haben wollte, er kannte die Gründe und akzeptierte sie. Wie sagte Jan so schön, es wäre Perlen vor Säue geworfen, aber ändern konnte sein Freund daran nichts. Nein- so ganz stimmte das nicht, Jan tat sehr viel, er stand Tom zur Seite egal was passierte. Sein Freund unterstützte ihn so gut es ging und zumindest der finanzielle Aspekt war gesichert, auch wenn Tom ungern auf Kosten seines Freundes lebte.

Vor zwei Jahren hatte Jan seinen Abschluss gemacht und wurde auch bei der Zeitung eingestellt bei der ein Volontariat absolviert hatte. Zu diesem Anlass hatten ihm seine Eltern eine kleine Eigentumswohnung geschenkt in der sie zusammen lebten.

Zwar hatte Tom den Job an der Uni, die ganze Zeit hatte es für ein kleines WG Zimmer und das Nötigste gereicht - er hatte ja nicht viele Ansprüche. Doch so langsam musste er sich überlegen wie es weitergehen sollte. Das sah er ja ein, aber wenn er doch selbst nicht genau wusste was er wollte.

„Nicht wirklich Professor“, gestand ihm Tom.

„Hmm ja, ja .. Tom. Wenn sie so weitermachen wird es darauf hinauslaufen das sie sich um einen Lehrstuhl bewerben, ganz ehrlich ich traue ihnen das durchaus zu. Die Studenten die bei ihnen in den Lehrgang gehen loben sie in den höchsten Tönen. In ein paar Jahren werde ich in Rente gehen und es wäre eine Freude sie als meinen Nachfolger zu sehen.“

Umständlich streckte sich Professor Jannkes auf seinem Stuhl bis seine Knochen knackten.

„Das Problem ist das die Uni einen Dozenten haben will der zusätzlich eine Dissertation in Physik hat, denn Professor Manik wird auch in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen. Wie sie wissen sind die Lehrstühle für Philosophie sehr rar gesät und so wie ich das sehe will die Uni einen Metaphysiker haben. Sowohl Professor Manik wie auch ich sind mit ihrer Arbeit sehr zufrieden und zumindest mich würde es freuen wenn ich ihnen den Weg zu einem Lehrstuhl etwas ebnen könnte. Es wäre sicherlich nicht ganz rechtens wenn man es moralisch betrachtet, doch sind wir ehrlich ein bisschen Vitamin b hat noch niemanden geschadet“, ein feines Lächeln legte sich um die Lippen des älteren Mann.

„Es bleibt trotzdem das Problem der zweiten Dissertation. Ich weiß sie haben ihr Physikstudium mit Auszeichnung abgeschlossen doch statt ihren Doktor zu machen sind sie zur Philosophie gewechselt. Ehrlich gesagt bleiben ihnen nicht viele Möglichkeiten Tom, entweder bleiben sie hier und versuchen Professor Kramer als Doktorvater zu gewinnen. Oder sie wechseln an eine andere Universität um dort im Fach Physik zu promovieren. Ehrlich gesagt würde ich ihnen zur zweiten Variante raten.“

Der Professor wurde durch ein Klopfen an der Tür gestört.

„Herein“, forderte er etwas lauter auf so das man es auch im Flur hören konnte.

„Hallo Peter hast du einen Moment Zeit für mich?“, Frau Gerkes trat in den Raum, sie war eine der wenigen weiblichen Lehrkräfte.

„In zehn Minuten hast du meine volle Aufmerksamkeit, wäre das in Ordnung?“

Es war ein offenes Geheimnis das die die Beiden eine mehr oder weniger inoffizielle Beziehung führten.

„Ja ist in Ordnung, ich besorge uns etwas Kuchen“, sie nickte Tom lächelnd zu und verließ dann wieder das Büro.

„Also wo waren wir? Ach so, nächste Woche wird Herr Fischer zu uns stoßen ich möchte das sie sich um ihn kümmern, ihm die Uni zeigen, ihm zur Hand gehen wenn er Hilfe braucht und so weiter. Vielleicht weckt seine Arbeit wieder ihre Leidenschaft für Physik, zugegeben die Kombination wäre mehr als perfekt aus den genannten Gründen.“

„Ich weiß nicht was ich sagen soll“, brachte Tom erstaunt heraus, er war noch immer überrascht über das Angebot das ihm sein Professor unterbreitete.

„Hier ist die Arbeit von Herrn Fischer übers Wochenende sicher eine anregende Lektüre und am Montag erwarte ich sie um 10 Uhr in meinem Büro.“

Mit diesen Worten drückte er Tom einen Stapel gebundener Blätter in die Hand.

„Ok, ich werde da sein“, nickte Tom wirsch.

„Also dann ein schönes Wochenende Tom.“


Als er zu Hause angekommen war kochte sich Tom eine große Kanne Kaffee, so bewaffnet setzte er sich auf den kleinen Balkon. Der Blick ins Grüne hatte eine beruhigende Wirkung auf ihn und er arbeitet sehr gerne im Freien.

In der Dissertation ging es um Plasmaphysik, etwas das Tom von Anfang an faszinierte und er zu diesem Thema schon mehrere Arbeiten gelesen hatte. Dazu kamen noch verschiedene Arbeiten zum Thema Sonnenwinde und ihre Auswirkung auf die Erde, oder inwieweit die Umlaufbahnen anderer Sterne unserem Sonnensystem gefährlich werden könnten. Auch hatte dieser Fischer einige sehr interessante Ansätze in Sachen Metaphysik zu Papier gebracht. Alles in Allem war Tom von dem Umfang und der Vielfältigkeit dieser Arbeiten beeindruckt.


„Na mein kleiner Philosoph was liest du denn spannendes?“

Erschrocken schaute Tom auf, er hatte Jan nicht kommen gehört.

„Etwas über Plasmaphysik, wir haben für das Sommersemester einen Gastdozent und ich soll mich etwas um ihn kümmern“, er streckte sich Jan entgegen der ihm einen Kuss gab.

„Na hoffentlich kümmerst du dich nicht zu sehr um ihn“, grinste sein Freund.

„Wahrscheinlich wird das so ein wirrer, älterer Kerl sein der nichts anderes zu tun hat als in die Sterne zu sehen“, murmelte Tom.

„Na dann bin ich ja beruhigt.“

Jan wuschelte ihm zärtlich durch die Haare auch wenn er genau wusste das Tom es nicht mochte.

„Mein Prof hat heute gemeint er würde es gerne sehen wenn ich seinen Lehrstuhl übernehme wenn er in Rente geht“, brach es aus dem Kleineren raus, noch immer war er sich nicht sicher was er davon halten sollte.

„Was?“, verständnislos schaute sein Jan ihn an.

„Naja heute nach der Vorlesung wollte er wissen wie ich mir meine weitere Zukunft vorstelle. Er meinte wegen meiner Dissertation würde er sich keine Sorgen machen und das er es gerne sehen würde wenn ich seinen Lehrstuhl übernehmen würde. Nur will die Uni jemanden haben der nicht nur eine Dissertation in Philosophie hat. Professor Manik wird in absehbarer Zeit auch in Rente gehen und dann würde der Bereich Metaphysik unterbesetzt. Jannek glaubt das die Kombination aus Physik und Philosophie gut wäre und so wohl auch meine Chancen erhöht.“

„Das wäre...“, Jan setzte sich neben ihn auf den anderen Liegestuhl.

„Das wäre doch super, oder?“

„Naja ich müsste nach meiner Dissertation noch in Physik promovieren, danach die Habilitation, ehrlich gesagt weiß ich nicht ob ich das will und kann“, murrte Tom.

„Aber du kommst doch jetzt schon gut mit deiner Arbeit voran und wenn du so weitermachst hast du das in einem Jahr geschafft. Natürlich würde das mit der Physikpromotion mehr Arbeit bedeuten aber ich bin sicher das wirst du auch schaffen. Kramer wird sicher nicht ablehnen wenn du dich bei ihm bewirbst“, meinte Jan.

„Wegen dem Geld brauchst du dir auch keine Gedanken machen, wir haben jetzt unsere eigene kleine Wohnung und ich verdiene genug um uns beide zu ernähren.“

„Ehrlich ich weiß nicht ob das alles so klappt. Vor allem will ich nicht hier in Physik promovieren, der Kramer ist zwar ganz ok, aber er hat eben so veraltete Ansichten.“

„Naja warte es doch erst einmal ab, umsonst wird dir Jannke dieses Angebot nicht gemacht haben. Vielleicht kommst du ja mit diesem Fischer ganz gut klar und es ergibt sich eine Möglichkeit nach München zu gehen.“

„Hmm ja vielleicht“, nickte Tom abwesend.

München war schon immer sein Traum gewesen, dort hatte Professor Harald Lesch einen Lehrstuhl, ein Mann den er sehr bewunderte.

„Hat mein Süßer Hunger?“

„Ein bisschen.“

„Wann hast du denn das letzte mal was gegessen?“, fragte Jan besorgt nach, da er wusste wie unregelmäßig Tom aß wenn er in der Uni war.

„Keine Ahnung , heute morgen irgendwann“, gab sein Freund wortkarg zurück.

„Dann werde ich uns mal etwas leckeres zaubern.“

Jan wuschelte Tom noch einmal durch die Haare und ging dann zurück in die Wohnung.


Nach ihrem gemeinsamen Frühstück war Jan in die Redaktion gefahren. Wenn alles gut lief war er Abends wieder zu Hause, sie wollten mit Alex und Ljú ins Roots gehen. Seit langem wieder ein Abend mit ihren Freunden.
Es hatte sich innerhalb der letzten drei Jahren einiges geändert, nicht nur das Tom in einer glücklichen Beziehung lebte und sogar Alex sich zu einem treuen Zeitgenossen gewandelt hatte. Nein- Alex wurde gleich zu Anfang ins kaltes Wasser geworfen. Einige Wochen nach dem er fest bei der Produktionsfirma angestellt worden war fiel der Regisseur aus für den er als Assistent arbeiten sollte. Man übertrug ihm diesen Auftrag, im Endeffekt das Beste das Alex passieren konnte. Das er diese Aufgabe meistern würde daran hatte Tom nie gezweifelt, das er für seinen Dokumentarfilm sogar für eine Auszeichnung vorgeschlagen wurde übertraf aber seine Vorstellungskraft. Zur Zeit bereitete er wieder ein Projekt vor, er wollte die bedrohten Affenarten Madagaskar filmen. Hätte man ihm vor zehn Jahren gesagt womit Alex später sein Geld verdienen würde, Tom hätte laut los gelacht. Alex Freund, Ljú der blonde Riese war nach zwei Semestern zur Psychologie gewechselt, in einem Jahr würde er seinen Abschluss in der Tasche haben. Vielleicht würde es auch noch drei oder vier Semester dauern. Zwar war es ein notwendiges Übel das Alex reiste, doch er lies Ljú ungern zurück – verständlicher Weiße. Nach dem heftigen Krach vor zwei Jahren versuchten sie so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen und so fuhr Ljú oft mit wenn Alex wieder unterwegs war.


Um sich vor seiner eigentlichen Arbeit zu drücken räumte Tom erst einmal die Wohnung auf. Nach drei Stunden blitzte und blinkte es überall, wirkliche Lust an seine Dissertation weiter zu schreiben hatte Tom trotzdem nicht.

Mit einem gequälten Seufzer lies er sich auf den Schreibtischstuhl fallen. Mit einem leisen Summen fuhr sein Laptop hoch. Es brachte ja alles nichts, es würde kein kleiner Kobold auftauchen der ihm die Arbeit abnahm und einen Ghostwriter konnte er sich nicht leisten. Wenn er also nicht noch drei Jahre an diesem geistigen Erguss sitzen wollte musste Tom sich zusammenreißen und weiter arbeiten. Doch zu erst öffnete er den Musikplayer – Yann Thiersen. Schon immer liebte er seine Musik und seit Jan ihm bei einem Konzert von ihm seine Liebe gestand, noch viel mehr.

So verbrachte der Braunhaarige den halben Tag damit Texte zu analysieren und seine Schlüsse daraus zu ziehen um sie dann auf zu schreiben.



Tom hatte es sich gerade auf der Couch gemütlich gemacht als er hörte wie Jan nach Hause kam. Im Flur wurde eine Tasche abgestellt und Schuhe gegen die Wand getreten. Sein Freund stürmte regelrecht ins Wohnzimmer und lies sich mit einem lauten Seufzer auf die Couch fallen.

„So schlimm?“, wollte Tom lächelnd wissen.

„Reden wir nicht drüber, ich hab Feierabend und will nicht mehr über die Scheiße nachdenken.“

Große Hände umschlangen Tom und zogen ihn an die breite Brust seines Freundes.

„Jetzt bin ich bei meinem Süßen und nix anderes zählt“, raunte Jan leise und küsste Tom sacht in den Nacken.

Eine Weile saßen sie schweigend da und liesen sich von einer der zahlreichen Vorabendserie berieseln.

„Um neun treffen wir uns mit den anderen im Roots. Hast du heute was anständiges gegessen?“

Die Hände strichen über die gut sichtbare Wölbung die sich unter Toms Shirt abzeichnete. Das er in den letzten Jahren nicht abgenommen hatte – zumindest nicht viel, lag nicht nur daran das er kaum Sport machte. Zum größten Teil waren Jans Kochkünste schuld und dessen Sorge das Tom irgendwann verhungern würde. Mittlerweile hatte er akzeptieren können das Jan genau das an ihm liebte, das er ihn nicht trotz seines Körpers sondern wegen ihm liebte. Natürlich war das nicht der Hauptgrund – das wusste Tom, es gab viel mehr wofür Jan ihn liebte. Doch wenn man ehrlich war dann war die Optik das erste Kriterium ob einem ein Mensch gefiel oder nicht. Der Anfang ihrer Beziehung war sehr körperlich gewesen was unter anderem auch daran lag das sie sich beide nicht trauten irgend etwas zu sagen. Jan aus Angst Tom intellektuell nicht zu genügen und Tom weil er sich im Bezug auf Jan nur auf seinen Körper reduzierte. In einer sehr negativen Art und Weise.

Das zwischen ihnen eine ganz besondere Verbindung bestand war ihnen beiden von Anfang an klar gewesen. Es hatte einige Zeit gedauert bis sie nicht mehr wie ausgehungerte Tiere übereinander herfielen. Anfangs hatte Tom Angst gehabt das sich ihre Liebe nur auf das sexuelle stützte, doch da war so viel mehr. Ihre gemeinsame Liebe für Literatur - was er Jan nicht zugetraut hatte, die Lust daran zu diskutieren, ihr fast gleicher Humor, das Verständnis für Technik, immer wieder kamen neue Sachen dazu die er an Jan entdeckte. Sogar heute noch.

Darüber hinaus liebte er die Wärme die ihm Jan schenkte, die Geborgenheit, das Wissen zu jemanden zu gehören der ihn einfach so liebte wie er war.

„Heute Mittag hab ich mir ein Brot gemacht“, gab Tom leise zu, natürlich wusste er was jetzt kommen würde.

„Du weißt doch das dass nicht gesund ist und heut Nacht hast du wieder Heißhunger und killst zwei Tafeln Schokolade. Du weißt ich hab da ja nix dagegen“, sanft zwickte ihn Jan in den Bauch.

„Aber es muss nicht sein. Außerdem wenn wir ins Roots gehen brauchen wir eine ordentliche Grundlage. Wie wäre es wenn wir vorher noch bei Janni vorbei schauen?“

„Hmm können wir machen“, stimmte Tom zu.

Eine Currywurst wäre genau das richtige und bei Janni gab es die besten der ganzen Stadt.

„Gut dann sollten wir uns langsam fertig machen.“

Langsam krabbelten Jans Finger unter sein Shirt.

„Wobei – ich könnte mir was schöneres für heute Abend vorstellen“, hauchte Jan ihm sanft ins Ohr.

„Och nee. Wir waren schon so lange nicht mehr zusammen weg“, motzte Tom und schob die vor witzigen Finger zur Seite.

„Stimmt und wir haben ja noch die ganze Nacht“, lachte sein Freund leise und entließ Tom aus der Umarmung.


Als Jan zwei Stunden später die Tür zum Roots öffnete kam ihnen eine Mischung aus lauter Musik, Stimmen und dicker Luft entgegen. An einem kleinen Tisch im hinteren, ruhigeren Teil der Kneipe saßen Alex und Ljú. Freudig begrüßten sich die vier, Tom und Jan bestellten sich wie die zwei anderen auch Bier und danach verdrückten sich Jan und Ljú an einen der Billardtische.


„Na wie war der Familienbesuch?“, wollte Tom wissen.

Seit Ljú Onkel war verbrachten die zwei sehr viel Zeit in Bayern bei Ljús Schwester.

„Super wie immer, die Kleine ist einfach das süßeste Mädchen das ich je gesehen habe“, meinte Alex schmunzelnd.

„Ich sehe es noch kommen, in zehn Jahren habt ihr zwei Adoptivkinder und macht auf glückliche Familie“, grinste Tom seinen besten Freund an.

Manchmal konnte es Tom nicht glauben wie sehr sich Alex verändert hatte. Nicht im negativen Sinne- nein, seit er mit Ljú zusammen war entwickelte sich Alex zu einem regelrechten Familienmenschen. Der alte Alex, der oft arrogant wirkte, abschätzend über Liebe und Treue sprach, dem außer sich selbst und seinen wenigen Freunden die Menschheit im Allgemeinen herzlich egal war, diesen Alex gab es nicht mehr. Die Familie von Ljú hatte ihn mit offenen Armen empfangen, ihn sofort ins Herz geschlossen und ab und zu schien es Tom als wenn Alex genau auf so etwas gewartet hatte.

„Könntest du dir denn Ljú als Hausmann vorstellen?“, fragte Alex ernsthaft nach.

„Wieso nicht? Von euch beiden ist er definitiv der Ordentlichere und wer besser mit Kindern kann muss ich ja nicht wirklich erwähnen, oder?

„Irgendwie kann ich es mir schon vorstellen, nicht umsonst wollte Ljúfa das ihr Bruder Patenonkel wird. Nur es wäre schon eine sehr große Verantwortung“, kam es leise von Alex.

„Klar, aber ihr müsst das ja nicht übers Knie brechen. Ljú sollte fertig studieren und danach werdet ihr einfach sehen wie es sich entwickelt. Wobei ein Kind zu adoptieren nicht ganz einfach sein wird.“

Sein Blick wanderte zu seinem Freund und Ljú die lachend am Billardtisch standen. Um alles was er besaß hätte Tom dagegen gewettet das Alex es irgend wann einmal in Betracht ziehen könnte Kinder zu bekommen.

„Das ist mir auch klar. Mir geht es auch nicht darum Morgen ein Kind zu adoptieren. Nur wenn Ljúfa und Sepp irgend etwas zustoßen würde, dann müssten wir uns um Mia kümmern. Natürlich hoffe ich inständig das der Fall nie eintreten wird, aber was wenn doch? Sind wir wirklich geeignet ein Kind groß zu ziehen?“

„Alex ich finde es ja sehr aufmerksam von dir das du dir darüber Gedanken machst, nur im Moment sind noch alle quicklebendig und ihr dürft einfach die netten Onkels sein die Geschenke mitbringen. Wenn es irgendwann einmal dazu kommen sollte sind auch noch die Eltern von Ljú da. Außerdem weiß ich auch gar nicht wie das rechtlich aussieht, ob Mia zu euch kommen würde nur weil Ljú der Patenonkel ist. Eventuell käme sie auch zu einem Familienmitglied aus Sepps Sippschaft“, überlegte Tom.

„Nein- am Wochenende hatten wir ein sehr ausführliches Gespräch. Sepp ist ja Einzelkind und seine Eltern sind vor Jahren gestorben, die nächsten Verwandten sind die zwei Schwestern seines Vaters. Zwar haben die auch Familie mit Kindern, doch Sepp hat ausdrücklich klar gemacht das er nicht will das seine Tochter dort auf wächst. Wie das genau zusammen hängt weiß ich nicht, nur das sie Sepp nach dem Tod seiner Eltern den Hof wegnehmen wollten. Dazu kommt noch das sie nicht verstehen können das er kein Mädchen aus ihrem Dorf geheiratet hat und geben Ljúfa die Schuld das Sepp Bio- Bauer geworden ist – der einzige in dem Kuhkaff. Irgendwie macht es mir etwas Angst wie weit sie schon alles geregelt haben. Sepp hat seine beiden Tanten ausgezahlt, also wenn er sterben sollte haben sie keinen Anspruch auf sein Erbe. Der ganze Hof, die Ländereien und alles was er besitzt wird Ljúfa erben und danach Mia“, erklärte Alex seinem besten Freund.

„Es ist doch gut wenn sie gleich klare Verhältnisse schaffen, vor allem wenn sie davon ausgehen können das es am Ende Probleme geben könnte“, meinte Tom und trank seine Flasche leer.

„Natürlich – nur ich weiß nicht ich hab so ein ungutes Gefühl dabei. Auf dem Jugendamt waren sie auch schon, anscheinend haben sie dort eine sehr aufgeschlossene Bearbeiterin getroffen. Es ist schriftlich hinterlegt das Mia nicht zu Sepps Familie kommen soll, für den Fall der Fälle wurde Ljú als Vormund eingetragen und danach ihre Eltern. Zwar müssten, wenn es soweit kommen sollte, die Verhältnisse in denen wir leben noch einmal überprüft werden, doch prinzipiell stünde dem nichts entgegen. Als Vormund dürfte Ljú mit dem Hof dann auch machen was er will. Entweder verkaufen und das Geld für Mia anlegen bzw. für ihren Lebensunterhalt nutzen, verpachten – zumindest die Äcker oder wir würden dort hin ziehen. Das haben die alles schon geplant und aufgeschrieben. In vier Wochen wenn wir wieder runter fahren wollen sie es bei einem Notar beglaubigen lassen.“

Mit großen Augen schaute Alex den Kleineren an.

„Es ist nicht die Tatsache das etwas passieren könnte die mir Angst macht, sondern das alles schon bis ins Kleinste vorbereitet wird“, erklärte er Tom.

„Hmm ich weiß nicht, vielleicht wollen die zwei einfach nur vorsorgen und mit dem Wissen das für den Notfall alles geregelt ist lebt es sich einfach besser. Mach dir nicht zu viele Gedanken Alex. Wenn es soweit kommen sollte bin ich mir sicher das Ljú und du es wunderbar meistern werdet“, sanft lächelte er Alex an.

„Willst du auch noch ein Bier?“

„Yep“, nickte Alex ihm zu, immer noch in seine Gedanken versunken.

Während er die Bierflaschen nahm, stand Tom auf und ging an die Bar um Nachschub zu holen. Ungeduldig lies er im Takt der Musik seine Finger auf die Theke tippen. Plötzlich drängte sich ein Körper dicht an ihn.

„Na hübscher Mann so alleine unterwegs?“, eine wohl bekannte Stimme traf auf sein Gehörgang.

„Nein mein Freund ist auch hier und er ist sehr eifersüchtig“, schmunzelte Tom vor sich hin.

„Und er lässt dich einfach so alleine hier rumlaufen? Hat er denn keine Angst das du ihm abhaust?“

Tom spürte den warmen Atem in seinem Nacken und etwas tiefer drückte sich etwas hartes gegen ihn.

„Der brauch sich keine Gedanken machen ich bin eine ganz treue Seele.“

Zwei Flaschen wurden vor ihn gestellt und der Barkeeper gab ihm das Wechselgeld.

„Dann muss er sehr glücklich sein.“

„Na das hoffe ich doch“, Tom drehte sich um und drückte Jan einen sanften Kuss auf den Mund.

„Zumindest bin ich mit ihm sehr glücklich.“

Nachdem sich Tom an seinem Freund vorbei gedrängt hatte kniff er ihm kurz in den Po bevor er zurück zu Alex ging.


„Und was gibt es bei dir neues?“, wollte Alex wissen nachdem sie sich zugeprostete hatten.

Kurz klärte Tom seinen besten Freund über die neusten Ereignisse auf.

„Wirklich begeistert klingst du aber nicht“, meinte Alex und schaute Tom ernst an.

„Ja weil es meine Planung völlig über den Haufen wirft“, murrte Tom.

„Liegt es nicht eher daran das deine Eltern dann doch das bekämen was sie immer wollten?“, hakte Alex nach.

„Nein das hat nichts mit meinen Eltern zu tun“, ereiferte sich Tom.

Doch lange konnte er dem intensiven Blick von Alex nicht standhalten.

„Vielleicht schon, etwas. Keine Ahnung? Eigentlich will ich mir darüber auch keine Gedanken machen, denn es geht sie nichts mehr an. Mein Leben geht sie nichts mehr an!“, mit jedem Wort wurde Toms Stimme lauter und etwas schrill.

Seit ihrem Krach vor zwei Jahren hatte Tom keinen Kontakt mehr mit seinen Eltern. Das er darüber traurig war wäre eine Lüge. Nein – er hatte eine neue Familie gefunden, Menschen die ihn so liebten wie er war und ihn nicht ständig drängten noch besser oder noch perfekter zu werden. Trotzdem fehlte etwas, da gab es eine Sehnsucht die nicht von Jan oder seinen Freunden gestillt werden konnte.

„Ich weiß Tom“, sanft berührte Alex seine Schulter.

„Aber ich weiß auch wie begeistert du von dem Studium warst, vor allem von der Astrophysik. Es ist deine Entscheidung Tom. Auf der einen Seite hast du ein Angebot das wirklich sehr verlockend klingt, aber mehr Arbeit mit sich bringt. Andererseits könntest du natürlich versuchen deinen Plan so durch zu ziehen wie du es dir zurecht gelegt hast. Ganz ehrlich – an deiner Stelle würde ich den ersten Weg gehen, wer weiß wozu es noch gut sein wird. Es ist egal was deine Eltern wollten, mittlerweile musst du ihnen keine Rechenschaft mehr ablegen und so könntest du auf deine Art zeigen das dass was du gerade machst nicht nur ein Freifahrtschein für eine Karriere als Taxifahrer ist.“

Seine Eltern, leise schnaubte Tom, seine Eltern hatten sein ganzes Leben verplant sahen in ihm den nächsten Albert Einstein. Niemand wusste wie sehr er darunter gelitten hatte und es auch noch tat – wenn er ehrlich zu sich war. Gut Alex ahnte das es tiefer ging, tiefer als Tom es zugeben würde. Zwar war es schön das sein bester Freund ihn so gut kannte, doch wenn er zielgerichtet in die Wunde stach und darin herum wühlte hasste er Alex dafür.

„So oder so, ich bin mächtig stolz auf dich Tom. Ehrlich, am Anfang habe ich gedacht du bist so ein hoffnungsloser Streber und jetzt schau dich an“, energisch stupste Alex seinen besten Freund an und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln.

„Zwar bist du durch und durch ein Streber, aber du lebst nicht mehr nur für deine Bücher. Vor ein paar Jahren hätte ich dich Samstags nicht von deinem Schreibtisch weg bekommen und nun? Du hast eine Beziehung mit einem ganz tollen Mann, du blühst regelrecht in seiner Nähe auf. Noch nie habe ich dich so glücklich gesehen, das solltest du nicht vergessen Tom. Es geht nicht nur darum wie viel du in den letzten Jahren geleistet hast, sondern viel mehr darum was du aus deinem Leben gemacht hast. Prinzipiell ist es egal wie du dich entscheidest, Jan wir hinter dir stehen und ich sowieso. Mach jetzt erst einmal deine Doktorarbeit fertig und danach sehen wir weiter. Es wäre doch gelacht wenn ich in ein paar Jahren nicht Professor zu dir sagen kann.“

„Du würdest mich damit die ganze Zeit aufziehen“, murrte Tom missmutig.

„Aber so was von, das werde ich mir doch nicht entgehen lassen“, lachte Alex.

„Hätte mich auch stark gewundert wenn nicht“, Tom lies sich zu einem zögerlichen Lächeln verleiten.

Vielleicht hatte Alex recht, vielleicht sollte das sein Weg werden seinen Eltern zu zeigen das er sein Leben auch ganz gut alleine meistern konnte.






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